Rede auf dem Symposium zum Thema Studienreisen und Jugendaustausch von Nordrhein-Westfalen nach China
2025/10/09

Sehr geehrter Vizeschulleiter Li Xuewen, High School der Yunnan-Universität,

Sehr geehrte Schulleiter*innen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler von der RWTH Aachen, der ISR International School on the Rhine, dem Chinesischen-Chor an der Burg, den Konfuzius-Instituten in Bonn, Düsseldorf, Duisburg und Paderborn sowie den verschiedenen chinesischen Sprachschulen,

meine sehr geehrten Damen und Herren,


im Namen des Generalkonsulats der Volksrepublik China in Düsseldorf heiße ich Sie alle herzlich willkommen zu unserem heutigen Symposium zum Thema Studienreisen und Jugendaustausch von Nordrhein-Westfalen nach China.

Im letzten Jahr kündigte der chinesische Staatspräsident Xi Jinping während seines Europa-Besuchs die wichtige Initiative an, nämlich den Umfang des Jugendaustauschs zwischen China und Europa in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln. Vor dem Hintergrund, dass sich globale Verwandlungen immer beschleunigen, dass Umbrüchen und Konflikten immer zunehmen, ist diese Initiative ein wichtiger Aufruf an die Jugendlichen Chinas Europas und, den Austausch und das Verständnis zu vertiefen und die Freundschaft zu fördern. Es ist auch eine wegweisende Maßnahme, die darauf abzielt, den Aufbau einer Zukunftgemeinschaft für die Menschheit voranzutreiben und die Kräfte für den künftigen Weltfrieden und Entwicklung zu stärken.

Ich freue mich sehr zu erfahren, dass viele der hier anwesenden Lehrer*innen und Schüler*innen im Rahmen von Programmen wie dem „Young Envoys Scholarship“ (YES-Programm) bereits nach China gereist sind, um sich auszutauschen und zu forschen. Unvollständigen Statistiken zufolge waren allein aus Nordrhein-Westfalen in den ersten acht Monaten dieses Jahres 400 Personen auf Studienreisen in China – einige von Ihnen waren sogar schon mehr als einmal dort, ein paar stehen vor Ihrer ersten Reise.

Mit unserem heutigen Symposium blicken wir nicht nur auf die reichen Erfolge zurück, die diese Initiative seit ihrem Start in Deutschland vor zehn Monaten erzielt hat, sondern möchten auch Ihre Anregungen, Kritiken und Vorschläge hören, um diese Initiative in Zukunft noch besser umsetzen zu können.

An die jungen Freunde hier heute gerichtet, möchte ich drei Punkte besonders hervorheben:

Erstens: Sie sind junge Botschafter*innen der Freundschaft zwischen China und Deutschland. „Die Beziehungen zwischen Staaten gedeihen durch die Herzlichkeit der Menschen.“ Freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern und kulturelle Austausche bilden eine wichtige Grundlage für die chinesisch-deutschen Beziehungen.

Die chinesische Bevölkerung hegt allgemein einen sehr positiven Eindruck und innere Gefühle gegenüber Deutschland, und es gibt viele berührende Geschichten über die Freundschaft zwischen unseren Völkern. Vor über 400 Jahren reiste der Kölner Missionar Johann Adam Schall von Bell über die Ozeane nach China, wo er zum Leiter des Kaiserlichen Astronomischen Amtes in Minister-Rang ernannt wurde und herausragende Beiträge zur chinesischen Astronomie und Kalenderkunde leistete. Vor über 80 Jahren richtete John Rabe, der damalige Siemens-Vertreter in China und „Oskar Schindler von Nanjing“, eine Sicherheitszone ein und rettete damit 250.000 chinesische Zivilisten vor dem Massaker durch die japanischen faschistischen Invasoren. Namen deutscher Denker, Künstler und Wissenschaftler wie Kant, Hegel, Karl Marx, Goethe, J.S.Bach, Beethoven, Gauß, Max Planck und Einstein sind in China jedem ein Begriff.

Gleichzeitig müssen wir jedoch auch einige Realitäten ins Auge fassen: 92% der Deutschen waren noch nie in China. 75% geben an, ganz wenig über China zu wissen. Die meisten Deutschen sind auf Medienberichte über China angewiesen, und viele dieser Berichte in deutschen Leitmedien sind oft einseitig, negativ oder sogar irreführend. Dies ist offensichtlich nicht förderlich dafür, Freundschaft auf der Grundlage einer objektiven und fairen Wahrnehmung zu vertiefen.

Gerade deshalb ist es so wertvoll, dass Sie über Berge und Meere reisen, um die chinesisch-deutsche Freundschaft zu stärken, und dass Sie aus der Ferne ein Bild von einem echten, vielfältigen und kulturell faszinierenden China mitbringen. Die Welt ist reich aufgrund ihrer kulturellen Vielfalt, und Kulturen gedeihen durch Austausch und gegenseitige Bereicherung. Und die Jugend ist die bunteste, offenste, toleranteste und dem Freundschaftsaustausch und der gegenseitigen Bereicherung am meisten aufgeschlossene Blüte im Garten der Weltkulturen.

Wie ein deutsches Sprichwort sagt: „Berge können sich nicht begegnen, wohl aber Menschen.“ Ich hoffe, dass Sie den Samen der chinesisch-deutschen Freundschaft auf dem eurasischen Kontinent säen und noch mehr Ihrer Freunde ermutigen, mit Hilfe des YES-Programms, der visumfreien Einrese sowie vereinfachter Zahlungsmöglichkeiten das gastfreundliche Land China im Oriental zu besuchen.

Zweitens: Sie sind ein Angelpunkt für den Ausbau der „China-Kompetenz“ Deutschlands. Mit der Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in den Bereichen wie Wirtschaft und Handel sind die Defizite Deutschlands an China-Kompetenz, insbesondere der Mangel an echtem Verständnis für China und die bilateralen Beziehungen, zu einem Thema geworden.

Die Ampel-Koalition hat versucht, den Aufbau der China-Kompetenz durch die sogenannte „China-Strategie“ zu stärken, doch die Fortschritte waren gering. Der Grund dafür ist, dass die Ampel-Koalition versucht hat, diese China-Kompetenz losgelöst von China aufzubauen – das ist so, als wollte man einen Baum nach oben besteigen, um Fische zu fangen. Stellen Sie sich vor, China würde versuchen, eine „Deutschland-Kompetenz“ nur im stillen Kämmerlein und ohne Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut oder dem DAAD aufzubauen – das wäre ebenfalls zum Scheitern verurteilt.

Sie alle hier sind aber schon Vorreiter geworden. Sie haben ein Fenster für Deutschland geöffnet, um China zu verstehen, und einen festen Schritt gemacht, um Deutschlands China-Kompetenz praktisch zu stärken. Ich hoffe, Sie nutzen diese Gelegenheit, um Ihr Lernen der chinesischen Sprache, Kultur und Landeskenntnisse fortzusetzen, Ihre Fähigkeiten im interkulturellen Austausch und in der grenzüberschreitenden Geschäftspraxis zu entwickeln, Ihre persönliche Entwicklung dem Trend der Globalisierung – Offenheit, Inklusivität, Wohlstand für alle, Ausgewogenheit und Win-Win – anzupassen und so dazu beizutragen, dass der Aufbau der China-Kompetenz in Deutschland in die richtige Richtung voranschreitet.

Drittens: Sie sind die Zukunft der chinesisch-deutschen Beziehungen. Mit Ihrer jugendlichen Offenheit und Ihrem Tatendrang sind Sie, die hier anwesenden Schülerinnen und Schüler, persönlich nach China gereist. Sie haben mit eigenen Augen die großen Errungenschaften Chinas bei der Armutsbekämpfung – 800 Millionen Menschen wurden in den letzten 40 Jahren aus der Armut befreit – und die rasante wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung miterlebt. Sie haben mit Ihren Schritten den Puls der Chinesischen Modernisierung gespürt, die den umfassenden Aufbau eines starken Landes vorantreibt. Sie haben im Dialog erfahren, wie die umfassende Volksdemokratie die „Good-Governance“ Chinas verwirklicht, und die Stabilität und positive Energie gespürt, die Chinas „Global Governance Initiative“ in die globale Friedens- und Entwicklungsagenda einbringt. Ich bin überzeugt, dass Sie zu einer tragenden Säule für die Vertiefung des Vertrauens und des Verständnisses zwischen China und Deutschland werden.

Dieses Jahr markiert den 50. Jahrestag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und der EU, den 53. Jahrestag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland und den Beginn eines neuen Jahrzehnts der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und Deutschland. Die chinesisch-deutschen Beziehungen stehen an einem neuen historischen Ausgangspunkt.

Die Jugend verkörpert die Zukunft und gestaltet sie. Angesichts der heutigen Welt, die von Umbrüchen und Konflikten geprägt ist, tragen die Jugendlichen Deutschlands und Chinas eine besondere historische Verantwortung. Sie sollten „viele Bücher lesen und tausend Meilen reisen“, so der alte chinesische Spruch für die jungen Weisen, und eine weltoffene Gesinnung haben und sich für das Gemeinwohl einsetzen, das Kooperationspotenzial unserer beiden Länder in Schlüsselbereichen wie grüne Transformation, Hightech-Fertigung, künstliche Intelligenz und Quantentechnologien voll ausschöpfen, die Bande des gegenseitigen Nutzens und der Win-Win-Situation festigen. Damit wir die globalen Unsicherheit abwehren mit Hilfe der Sicherheit und Verlässlichkeit der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit. So erfolgt der Aufbau einer Zukunftgemeinschaft für die Menschheit.

Ich möchte mich nochmals bei allen für den eben stattgefundenen lebhaften Austausch bedanken, insbesondere für die anschaulichen Schilderungen Ihrer Eindrücke, Erfahrungen, Vorschläge und Erwartungen im Zusammenhang mit Ihrer Chinareise. Ich danke auch allen beteiligten Schulen und Institutionen für die große Unterstützung und organisatorische Koordination in diesem Prozess. Ich bin zutiefst bewegt und ermutigt.

Dies gibt uns noch mehr Zuversicht für weitere Austausche, und wir sind auch in Zukunft bereit, mit unseren Freunden auf deutscher und chinesischer Seite noch mehr Austausch und noch tiefere Freundschaft zu pflegen und unermüdliche Anstrengungen zu unternehmen, um eine schöne Zukunft für China und Deutschland zu schreiben.

Vielen Dank.


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