Gastbeitrag: 15. Fünfjahresplan als Chance für engere Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland
2025/12/12

15. Fünfjahresplan als Chance für engere Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland

Yu Yong, Generalkonsul der Volksrepubik China in Düsseldorf


(veröffentlicht am 12. Dezember 2025 auf China Rundschau)

Der 15. Fünfjahresplan für die nationale wirtschaftliche und soziale Entwicklung wurde auf der vierten Plenarsitzung des 20. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas verabschiedet. Er dient als "Blueprint" für Chinas neuen Weg zur Modernisierung, als "Stabilisator" in einer turbulenten Welt und als "Goldschlüssel" für eine pragmatische Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland.

Zu Zeiten der raschen Veränderungsprozesse während der Jahrhundertwende und der globalen Herausforderungen, die in- und miteinander verflochten sind, zeigt dieser Plan, der strategische Entschlossenheit mit der Offenheit verbindet, die Richtung für Chinas Entwicklung auf. Gleichzeitig stärkt er mit Zuversicht die globale Zusammenarbeit und ebnet den Weg für eine qualitative Vertiefung der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen China und Deutschland.


Der 15. Fünfjahresplan ist der Dreh- und Angelpunkt für Chinas Modernisierungsprozesse. "Systemische Vorteile sind die größten Vorteile Chinas, die strategische Entschlossenheit die größte Stärke." China hält unbeirrt an der zentralisierten, einheitlichen Führung der Partei fest. Sobald der Blutprint erstellt worden ist, wird er mit aller Konsequenz in die Tat umgesetzt. Unsere Führung ist von strategischer Ausdauer und stellt alle Ressourcen in unserem System zur Verfügung. Die Durchsetzungsgarantie und die systemische Wirksamkeit lassen sich von den Zahlen ablesen.

Die durchschnittliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts betrug im 14. Fünfjahresplan von 2021 bis 2025 5,4 Prozent. Das BIP 2025 wird aller Voraussicht nach die 140-Billionen-Yuan-Marke übertreffen. 2,8 Prozent des BIPs gehen in die Forschung und Entwicklung.

"Wachstum fürs Volk" - Das Motto wird durchgehend im neuen Plan ersichtlich. Knapp 100 Millionen Menschen auf dem Lande konnten aus der Armut befreit und die weltweit größten Bildungs- und Sozialsicherungssysteme eingeführt werden, was eine solide Grundlage für eine nachhaltige und gesunde Entwicklung schuf. All das sichert die Fundamente des Wachstums. Der 15. Fünfjahresplan konzentriert sich auf die Förderung neuer Produktivkräfte, die industrielle Modernisierung und die Aufstellung bei den Zukunftsthemen. Er sichert damit ein stabiles und berechenbares Kooperationsumfeld mit Ländern wie Deutschland.


Der 15. Fünfjahresplan sorgt für Stabilität in der globalen Konjunktur. "Offenheit ist das prägende Merkmal des heutigen China und der gemeinsame Gewinn für die Welt." China begegnet der globalen Unsicherheit mit seiner konsequenten Politik und setzt das Konzept einer Schicksalsgemeinschaft der Menschheit in die Praxis um.

Die "Globale Entwicklungsinitiative" hat die Unterstützung von über 100 Ländern und internationalen Organisationen gewonnen, während die "Belt and Road Initiative" mehr als 150 Länder und 30 internationale Organisationen zur Beteiligung angezogen hat. Über 120.000 Güterzüge zwischen China und Europa verbanden Asien und Europa miteinander. Der 15. Fünfjahresplan wird die Öffnung auf hohem Niveau weiter vorantreiben. Die Freihandelszone auf der chinesischen Südinselprovinz Hainan nimmt bald den vollen Betrieb auf. Im Jahr 2024 überstieg Chinas gesamte Handelsbilanz 5,9 Billionen US-Dollar und errang seit sieben Jahren den ehrenwerten Titel als "Exportweltmeister". China engagiert sich mit pragmatischen Maßnahmen in Bereichen der Entwicklungshilfe und der Bekämpfung gegen den Klimawandel. Für das globale Wirtschaftswachstum ist China inzwischen die "Lokmotive" und "stabilisierender Gewichtsanker“ der internationalen Ordnung.


Der 15. Fünfjahresplan schlägt ein neues Kapitel in der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit auf und verleiht den bilateralen Beziehungen nachhaltige Dynamik. Diese Zusammenarbeit entspricht dem heutigen Zeitgeist, findet große Unterstützung in der Öffentlichkeit und kommt der langfristigen Entwicklung zugute. Ihre Umsetzung wird die komplementären Stärken weiter zur Geltung kommen lassen und den Horizont der Zusammenarbeit erweitern:

Erstens, Gleichberechtigung und Vertrauen fördern Synergien fürs Wachstum. Der auf gegenseitigem Respekt und Gleichberechtigung basierende Dialog kann Hindernisse beseitigen und die Zusammenarbeit in allen Bereichen sichern. Hochrangige Gespräche navigieren die chinesisch-deutschen Beziehungen fest und sorgen für funktionierende Dialogmechanismen effektiv und proaktiv. 

In diesem Jahr haben Präsident Xi Jinping und Bundeskanzler Friedrich Merz telefoniert. Diesen traf der chinesische Ministerpräsident Li Qiang in Südafrika am Rande vom G20-Gipfel. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil besuchte China. Unsere Außenminister haben sich jüngst in Peking getroffen. In Wirtschaft und Wissenschaft besteht der Konsens, dass eine Zusammenarbeit dringend notwendig ist. Auch die öffentliche Unterstützung für die bilaterale Zusammenarbeit festigt sich kontinuierlich. 

Der CEO der Dortmunder Wilo-Group erklärte öffentlich, dass "Deutschland ohne China nicht auskommen kann". Andere Wirtschaftsführer in Deutschland rufen dazu auf, "den richtigen Kurs für eine Win-Win-Kooperation beizubehalten".

Zweitens, komplementäre Vorteile festigen die Grundlage für die Zusammenarbeit. Die Industriestrukturen Chinas und Deutschlands ergänzen sich in hohem Maße und haben ein für beide Seiten vorteilhaftes Modell "Technologien aus Deutschland + Fertigung in China" etabliert. In den ersten drei Quartalen 2025 erreichte der bilaterale Handel zwischen Deutschland und China 185,9 Milliarden Euro. China wurde erneut Deutschlands größter Handelspartner. Deutschland wiederum bleibt Chinas wichtigster Wirtschafts- und Handelspartner in Europa. Eine Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Greater China vom Dezember 2025 zeigt, dass 92 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in China planen, ihr Engagement auf dem chinesischen Markt zu vertiefen. Ebenso ergab eine Umfrage der Chinesischen Handelskammer in Deutschlandn(CHKD), dass 21 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen in Deutschland ihren Standort als das wichtigste Investitionsziel in Europa betrachten, was die enorme Attraktivität beider Märkte und die Stabilität der Zusammenarbeit unterstreicht.

Drittens, traditionelle Zusammenarbeit erweitert die Möglichkeiten der gegenseitigen Gewinne. Die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland in traditionellen Bereichen, die von Infrastruktur bis hin zu den sozialen Bereichen reicht, vertieft sich weiter. Der Duisburger Hafen als Drehscheibe für den Güterzugverkehr zwischen China und Europa wird in diesem Jahr voraussichtlich über fünf Millionen TEU umschlagen, was einen Meilenstein für die "Belt and Road Initiative" darstellt. Das deutsche duale System der Berufsbildung wird in mehr als 20 chinesischen Provinzen angeboten mit mehr als 100.000 gut ausgebildeten Fachkräften pro Jahr, um die Modernisierung der Fertigungsindustrie voranzutreiben. Siemens Healthineers hat in China Produktionslinien für hochwertige medizinische Geräte eingerichtet, während gemeinsam entwickelte Windkraftanlagen einen weltweiten Marktanteil von fast 30 Prozent erreichen und damit die anhaltende Dynamik der Zusammenarbeit in traditionellen Sektoren unter Beweis stellen.

Viertens, strategische Abstimmung erschließt Zukunftspotenzial. Der 15. Fünfjahresplan räumt aufstrebenden Branchen wie erneuerbaren Energien, 6G, Wasserstoff und Kernfusion Vorrang ein, was eng mit der Industrie 4.0- und Digitalisierungsstrategien in Deutschland übereinstimmt.

Das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Volkswagen in Hefei etablierte eine vollständig unabhängige Produktentwicklung und damit die Zyklen der Forschungs- und Entwicklung um 30 Prozent verkürzt. Die chinesisch-deutsche Wasserstoff-Innovationsallianz hat über 20 Pilotprojekte gestartet und damit bedeutende Erfolge in der technologischen Synergie und industriellen Zusammenarbeit erzielt. Die Zusammenarbeit beider Nationen in zukunftsweisenden Bereichen wie Quantentechnologie, Biotechnologie und -produktion setzt neue Maßstäbe für globale Innovationspartnerschaften.


China und Deutschland sind zwei Großnationen an beiden Enden des eurasischen Kontinents, haben keine grundlegenden Interessenkonflikte, sondern vielmehr weitreichende Perspektiven für eine für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit. An diesem neuen Startpunkt sollten China und Deutschland weiterhin an den Grundsätzen des gegenseitigen Respekts und der Gleichberechtigung festhalten, strategisch entschlossen gegen Einmischungen von außen vorgehen und durch pragmatisches Handeln die Ergebnisse der Zusammenarbeit ausbauen. Die "Liste der Chancen" müssen wir in die "Liste der Ergebnisse" umwandeln. Unter der Leitlinie des 15. Fünfjahresplans wird die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit mit Sicherheit neue Horizonte eröffnen, beiden Völkern größere Vorteile bringen und mehr stabilisierende Kräfte in den weltweiten Frieden und Wohlstand einbringen.


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