Grußwort vom Generalkonsul Yu Yong anlässlich der Eröffnung des Dialogs "China im Frühling: Chinas Entwicklungschancen für die Welt"
2026/03/18

Ich wünsche Ihnen einen guten Abend. 

Ich danke allen Rednerinnen und Rednern für die freundlichen Worte und heiße Sie zur Deutschlandpremiere des Dialogs "China im Frühling: Wachstum in China, Chancen für die Welt" der China Media Group und des Generalkonsulats herzlich willkommen. 

Mein Dank gilt zuerst der Landesregierung, dem Landtag, den Kommunen, der Wirtschaft, dem Verband Hidden Champions und schließlich Ihnen allen, die sich lange Jahre für die Freundschaft zwischen China und Deutschland und für die regionale Zusammenarbeit einsetzen.  Danke schön!

Letzte Woche gingen der Nationale Volkskongress und die Politische Konsultativkonferenz in China zu Ende. Einer der bedeutendsten Beschlüsse war der 15. Fünfjahresplan, der die Ziele für die volkswirtschaftliche Entwicklung und die gesellschaftlichen Fortschritte festlegt. Das ist ein Masterplan, der auf der Grundlage der präzisen Analyse vom Status quo erstellt worden ist, der allen Erwartungen Rechnung trägt und auf ein hochwertiges Wachstum ausgelegt ist. Wir sind stolz auf unsere systemischen Vorteile durch politische Kontinuität, die auch die Zuversicht im stabilen und nachhaltigen Wachstum zum Ausdruck bringt.

Zugleich ist der 15. Fünfjahresplan eine "Liste voller Chance", die wir der ganzen Welt im Zuge der gemeinsamen Modernisierungsprozesse präsentieren. Verstehen Sie ihn bitte als eine "herzliche Einladung" an die Firmen aus Deutschland und aus Nordrhein-Westfalen, diese Chancen zu nutzen. Damit haben wir für uns alle ein neues Tor geöffnet: ein Tor der Chancen, ein Tor der Zusammenarbeit und ein Tor gemeinsamer Gewinne.

Das nehme ich heute gerne zum Anlass, um mit Ihnen über diesen Masterplan und die Strategie für Chinas Entwicklung während des 15. Fünfjahresplans zu sprechen. Mir liegen folgende fünf Eckpunkte über die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, insbesondere über die zwischen China und Nordrhein-Westfalen, besonders am Herzen. 

1. Schaffung neuartiger regelgerechter Öffnung für die deutsche Wirtschaft

Im Laufe des 15. Fünfjahresplans wird die regelgerechte Öffnung rein aus dem Eigenbedarf heraus mit allen Anstrengungen vorangetrieben. Die chinesische Öffnung konzentriert sich ab sofort nicht mehr lediglich auf den grenzüberschreitenden Austausch von Waren und Produktionsfaktoren. In den Fokus gerückt ist die Anschlussfähigkeit an internationale Standards in Bezug auf Regeln, Vorschriften, Management sowie Normen. So sollen die Adaption und Integration von Richtlinien und die Verzahnung von Mechanismen gefördert werden. Wir sind der Überzeugung, dass sowohl das Volumen als auch das Potenzial der internationalen Zusammenarbeit durch regelgerechte Öffnung erweitert werden können.

Die derzeitige Negativliste für ausländisches Kapital in China ist auf 29 Punkte reduziert worden. Im Fertigungsbereich waren schon längst sämtliche Einschränkungen abgeschafft worden. Der 15. Fünfjahresplan nimmt jetzt den Dienstleistungssektor vor. Bei Branchen wie Telekommunikation, Internetservice, Bildung, Kultur und Gesundheitswesen sollen die Marktzugänge schrittweise und geordnet ausgebaut werden. Die Negativliste wollen wir weiter kürzen und mehr Wachstumsraum für ausländische Firmen in China schaffen.

China ist und bleibt der ideale Investitionsstandort für multinationale Konzerne: zukunftssicher, zuverlässig und zweifelsohne zum Erfolg verdammt. Gleichzeitig erwarten wir auch transparente, faire und nichtdiskriminierende Geschäftsumgebung für chinesische Investoren in Deutschland. Dann kann unsere Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit nachhaltig auf dem guten Weg bleiben.

2. Schaffung neuartiger Dynamik für Industriewandel und technologischen Sprung in Deutschland

Den Kern des neuen Fünfjahresplans bilden die technologische Selbstständigkeit und Führerschaft. Konkrete Ziele wurden fest vereinbart wie jährlich sieben Prozent mehr öffentliche und private Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Wir fördern die Zukunftsthemen und die neuartigen Produktivkräfte wie die Künstliche Intelligenz, Quantentechnik, 6G, erneuerbare Energien sowie High-End-Anlagebau. Das gesamtwirtschaftliche Industriesystem muss schleunigst modernisiert werden. Der Anteil der digitalen Wirtschaft am Bruttoinlandsprodukt soll auf 12,5 Prozent steigen.

Während des Besuchs vom Bundeskanzler Merz in China haben chinesische und deutsche Unternehmen mehrere wichtige Kooperationsvereinbarungen in Bereichen Automobil, Maschinenbau, Energie, Logistik und Finanzdienstleistung geschlossen. Sie stehen in Einklang mit den Zielen im 15. Fünfjahresplan: unser Wachstum muss intelligenter, grüner und inklusiver werden, egal ob in China oder in Deutschland.

Als das Herz der deutschen Industrie beherbergt Nordrhein-Westfalen eine große Anzahl von Hidden Champions, die weltweite Marktführung in vielen Spezialgebieten wie der industriellen Digitalisierung und der Präzisionsfertigung einnehmen. Dies ergänzt wie "angegossen" Chinas Ansatz zur Förderung neuartiger Produktivkräfte.

Wir fiebern einer tiefgreifenden Integration deutscher Technologie in die vielfältigen Anwendungsszenarien in China entgegen. China und Deutschland können mehr schaffen. Es ist schon jetzt ein Erfolg, deutsche Technologien mit "Made in China" zu kombinieren. In naher Zukunft werden beide der größten Volkswirtschaften der Welt noch intensiver aufeinander zugehen und gemeinsam neue Szenarien "Digital + Industrie" entwickeln. Mit den Drittmärkten im globalen Süden dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Wir wollen gemeinsam mehr multiple Märkte erschließen und neue Partner gewinnen.

3. Schaffung neuartiger Möglichkeiten für den Energiewandel und das grüne Wachstum in Deutschland

Ökologie und grünes Wachstum sind zwei dominierende Themen im 15. Fünfjahresplan. Der Volkskongress und die Konsultativkonferenz beschlossen erstmals einen nationalen Fonds für die Transformation zur kohlenstoffarmen Wirtschaft. Das erklärte Ziel ist es, die CO2-Emission pro BIP-Einheit um 3,8 Prozent zu senken. Darüber hinaus wurde ein zweites Gesetz zum Umweltschutz "Ecological and Environmental Code" verabschiedet. Ein wichtiger Bestandteil darin behandelt das grüne und kohlenstoffarme Wachstum. Eine umfassende grüne Transformation erfordert einen "Zweirad-Antrieb" von rechtliche Maßnahmen und dem Markt.

China und Deutschland engagieren sich seit Langem im Umweltschutz und freuen sich auf brillante Zukunftsaussichten. China hat schon heute das größte Volumen an erneuerbaren Energien. Chinesische Lösungen für Windkraft und Photovoltaik verschaffen erhebliche Kostenvorteile. 2025 wurden in China vier Billionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen. Das war mehr als der jährliche Energieverbrauch der EU-27 zusammen. Deutschland ist ein Spitzenreiter bei den Umwelttechnologien und bei der Normierung, der auch einschlägige Erfahrungen bei der politischen Steuerung der Umgestaltung vom Energiesystem hat.

Nordrhein-Westfalen nimmt eine Vorreiterrolle in Bereichen der Dekarbonisierung traditioneller Industrien, des Wasserstoffs, der Energiespeicherung sowie der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCUS) ein. Dies entspricht genau dem Bedarf Chinas. Die künftige Zusammenarbeit zwischen China und Nordrhein-Westfalen birgt in den Bereichen Energiewende, Forschung und Entwicklung grüner Technologien, Herstellung von Umwelttechnik und Kreislaufwirtschaft ein immenses Potenzial.

4. Aufbau des neuen Konsummarktes für Produkte "Made in Germany"

Die chinesische Öffnung auf dem hohen Niveau wird weiter ausgebaut. China schultert nicht nur die Verantwortung, die Werkbank der Welt zu sein. Zur Geltung müsste auch der Titel "Marktplätze der Welt" kommen. Mit einer Bevölkerung von über 1,4 Milliarden Menschen und einer Mittelschicht von mehr als 400 Millionen, die in Zukunft 800 Millionen überschreiten könnte, ist China auf dem besten Weg, sich zum vielversprechendsten und dynamischsten Verbrauchermarkt der Welt zu entwickeln.

2025 gaben chinesische Konsumenten zum ersten Mal 50 Billionen Yuan aus. Das entspricht 6.000.000.000.000 Euro (sechs Billionen) und steuerte 52 Prozent des Wirtschaftswachstums bei. Während der Laufzeit des 15. Fünfjahresplans wird China die Binnennachfrage weiter ankurbeln.

Mit gezielten Fördermaßnahmen werden neue Anreize für mehr private Ausgaben geschaffen. Sie sorgen auch für einen Konsumboost von Premiumprodukten, fortschrittlichen Anlagen sowie professionellen Dienstleistungen. "Made in Germany" ist weltweit das Markenzeichen für die Exzellenz bekannter deutscher Fertigungsindustrie, sei es Autos, Chemieprodukte, medizin-pharmazeutische Erzeugnisse oder Präzisionswerkzeuge. Es genießt auch großes Vertrauen bei den chinesischen Kunden.

China ist das einzige Land, das eine staatliche Messe für importierte Waren organisiert. Die "Import Expo" ist inzwischen ein Aushängeschild mit Symbolkraft. Die ganze Welt wird eingeladen, den riesigen Markt in China zu erschließen. Ich bin mir sicher, dass immer mehr Produkte aus Deutschland, aus Nordrhein-Westfalen, über die "Import Expo" Zugang zu Millionen chinesischen Haushalten finden. Ihre Produzenten zwischen Rhein und Ruhr freuen sich bestimmt auf gute Zahlen in ihren Auftragsbüchern, dank robuster Nachfrage nach deutschen Premiumprodukten auf dem chinesischen Markt.

5. Chinesisch-deutsche Beziehungen von globaler Relevanz

Je komplizierter und verflochtener die internationale Lage ist, desto mehr Verantwortung müssen die Länder, insbesondere die großen Länder, tragen. Als die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt liegen vertrauensvolle Beziehungen zwischen China und Deutschland nicht nur in den Interessen des eigenen Landes. Sie sind auch wegweisend für Europa mit weltpolitischer Signalwirkung. China und Deutschland haben als Exportnationen vieles gemeinsam und übernehmen dieselben Verantwortungen bei der Verteidigung des Multilateralismus, des Freihandels und der Wiederbelebung der Weltwirtschaft. Uns einen facettenreiche und tiefgründige Interessen.

Angesichts der Zeitenwende des Jahrhunderts mit tiefgreifenden Veränderungen bekannte sich Chinas Außenminister Wang Yi auf der Pressekonferenz des Nationalen Volkskongresses und der Konsultativkonferenz feierlich zur friedlichen Entwicklung. Chinas Außenpolitik fühlt sich dem noblen Ziel der Bildung einer Zukunftsgemeinschaft der Menschheit verpflichtet. Dabei folgen wir unbeirrt dem Weg der friedlichen Entwicklung, um gemeinsam eine Welt des dauerhaften Friedens, der universellen Sicherheit, des gemeinsamen Wohlstands, der Offenheit und Inklusivität sowie einer grünen und intakten Natur zu schaffen.

Wir sind bereit, gemeinsam mit Deutschland und entschlossen den Freihandel und die Begünstigung von Investitionen zu unterstützen, die Stabilität funktionierender globaler Produktions- und Lieferketten zu sichern und das multilaterale Handelssystem mit der Welthandelsorganisation (WTO) als Kern zu verteidigen. Wir setzen uns für eine faire und offene internationale Wirtschafts- und Handelsordnung ein und sorgen dafür, dass die soliden chinesisch-deutschen Beziehungen als Stabilisator für die Weltwirtschaft gelten. Zusammen erwidern wir die instabile Weltlage mit einem stabilen und starken Schulterschluss. Derzeit ist unsere Welt von Veränderungen, Unruhen und Turbulenzen geprägt. Sie hat mehr stabilisierende Kräfte verdient.

Meine Damen und Herren!

Chinas Staatspräsident Xi Jinping sieht die Partnerschaft mit Deutschland auf drei relevanten Ebenen. China und Deutschland müssen zuverlässige Partner bleiben, die sich gegenseitig stützen und Halt geben; sie müssen eine offene Partnerschaft für Innovationen zum gemeinsamen Gewinn schmieden; sie müssen gesellschaftlich und kulturell Partner bleiben, die sich gut kennen und schätzen. Diese Partnerschaft auf allen drei Ebenen ist unsere strategische Leitlinie. Bundeskanzler Friedrich Merz war vor Kurzem in China zu Besuch. Wir werden zeitnah die Regierungskonsultationen wieder aufnehmen. Das ist ein guter Anlass, mit Deutschland zusammen ein neues Kapitel der bilateralen Beziehungen aufzuschlagen.

Ich darf Außenminister Wang Yi zitieren. Auf der Pressekonferenz des Volkskongresses sagte er: Wir würden uns sehr freuen, wenn unsere Freunde in Europa ihre Scheuklappen abnehmen und den bescheidenen "Dachboden des Protektionismus" verlassen. Deutsche Firmen seien willkommen im 'Fitnessstudio' auf dem riesigen chinesischen Markt! Hier könnten sie ihre Kondition und Ausdauer trainieren und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Mein Generalkonsulat will weiterhin als Brücke und Bindeglied fungieren und eine Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen beider Länder schaffen. Wir werden einen pragmatischen und offenen Austausch fördern, um gegenseitigen Nutzen und gemeinsame Entwicklung zu erreichen.

Ich möchte Ihnen noch einmal von ganzem Herzen danken - für Ihre langjährige Unterstützung für die deutsch-chinesische Freundschaft und für das in die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland gesetzte Vertrauen! 

Wie ein deutsches Sprichwort sagt: "Die Zusammenarbeit ist der Grundstein des Erfolgs, der Zusammenhalt die Quelle der Stärke." Das Motto des heutigen Dialogs heißt "China im Frühling". Und in dieser wunderschönen Jahreszeit stehen wir nach dem hochrangigen Besuch wieder am Neustart. Das Ziel: mehr sachliche und fruchtbare Projekte aus den politischen Einigungen zu realisieren. Der 15. Fünfjahresplan gibt uns eine gute Gelegenheit, unseren Zusammenschluss unter Dach und Fach zu bringen, dieselbe Richtung einzuschlagen und unsere umfassende strategische Partnerschaft zu festigen.

Das ist unser gemeinsamer Beitrag für den Weltfrieden und den Aufschwung. 

Das ist unsere Berufung.  Wir wollen, wir können, wir müssen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


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