Rede vom Generalkonsul YU Yong bei Veranstaltung der Deutsch-Chinesichen Gesellschaft für Bildung und Kultur NRW e.V.
2026/04/24

guten Tag!

Es ist mir eine große Freude, heute mit so vielen Freunden der Gesellschaft für Bildung und Kultur Nordrhein-Westfalen zusammenzukommen. Besonders freut mich, dass viele von Ihnen erst Anfang dieses Jahres in Yiwu in der Provinz Zhejiang zu Gast waren. Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Wenn Yiwu „niest“, bekommt der globale Weihnachtsmarkt Schnupfen. Damit meine ich nicht nur die wirtschaftliche Stärke dieser Stadt, sondern vielmehr: Wenn man erst einmal vor diesem „Supermarkt der Welt“ steht, erkennt man, wie haltlos und blass die Theorien von „Decouplin“ (Abkopplung) oder „De-Risking“ in der Realität wirken.

Ich möchte heute vier Beobachtungen mit Ihnen teilen und einen aufrichtigen Dialog führen: Welche Rolle spielt China in der gegenwärtig turbulenten Weltlage? Welche Chancen bietet Chinas 15. Fünfjahresplan für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit? Wie begegnen wir rational den negativen Narrativen über die Kooperation mit China? Welche Bedeutung hat der China-Besuch von Bundeskanzler Merz für unsere praktische Zusammenarbeit, und was können Sie dazu beitragen?

I. Chinas Rolle in der Welt

In einer Zeit anhaltender geopolitischer Konflikte und einer beschleunigten Neugestaltung globaler Lieferketten wird die Welt immer unsicherer. In dieser turbulenten Lage bleibt China eine Kraft des Friedens, der Stabilität und der Gerechtigkeit. Nach der Ukraine-Krise und dem Iran-Krieg setzt sich China stets für die Förderung von Friedensgesprächen und die Herbeiführung eines Waffenstillstands ein. Dabei hat es nacheinander die „vier Sollte“, die „Fünf-Punkte-Initiative“ und die „Vier-Punkte-Position“ vorgelegt. Inmitten von Deglobalisierungstendenzen fungiert China mehr denn je als Anker für das Weltwirtschaftswachstum. Dies verdeutlichen vier Punkte:

I. China bewegt sich unter Druck voran–die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit wächst

Im Jahr 2025 erreichte Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) 140 Billionen Yuan, was einem Wachstum von 5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das gesetzte Jahresziel für das Wirtschaftswachstum wurde erfolgreich erreicht, womit China zu den führenden Volkswirtschaften der Welt gehört. Trotz der durch den militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran verursachten starken Schwankungen der globalen Energiepreise und des plötzlichen Anstiegs geopolitischer Risiken ist die grundlegende Tatsache unverändert geblieben, dass Chinas Wirtschaft über eine solide Basis und starke Widerstandsfähigkeit verfügt. Im ersten Quartal 2026 erzielte die chinesische Wirtschaft ein Wachstum von 5% gegen den Trend. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gerade seine Wachstumsprognose für China im Jahr 2026 nach oben korrigiert. Vor dem Hintergrund einer weltweit nach unten korrigierten Wachstumsprognose liegt Chinas Wachstumsrate weiterhin deutlich über dem Weltdurchschnitt und auch über dem Durchschnittswert von 3,9% für Schwellen- und Entwicklungsländer.

Diese Erfolge sind nicht selbstverständlich. Vor dem Hintergrund einer schwachen globalen Konjunktur trägt China mit einem Wirtschaftsvolumen, das 17% der Weltwirtschaft ausmacht, 30% zum globalen Wachstum bei. Das bedeutet, dass von jeweils drei Anteilen am globalen Wachstum einer aus China stammt. Dies beweist erneut: Geht es der Welt gut, geht es auch China gut; geht es China gut, geht es der Welt noch besser.

II. Neue Produktivkräfte entstehen rasant – die Wirtschaftsstruktur wird optimiert

China setzt auf qualitativ hochwertige Entwicklung. hochwertige Fertigung, neue Energien, 5G, Hochgeschwindigkeitsbahnen, Photovoltaik und andere neue Produktivkräfte wachsen rasant und prägen neue Geschäftsmodelle, neue Muster und eine neue Zukunft für die globale Wirtschaftsentwicklung. Die chinesische Wirtschaftsentwicklung strebt nicht mehr danach, „ob es etwas gibt“, sondern „ob es gut ist“. Im Jahr 2025 lag die Wachstumsrate der Hightech-Fertigungsindustrie und der Ausrüstungsindustrie deutlich über dem industriellen Durchschnitt. Die Umsatzerlöse der Hightech-Industrie stiegen um 13,9% im Vergleich zum Vorjahr. Während des 15. Fünfjahresplans wird sich China darauf konzentrieren, ein neues industrielles Gefüge aufzubauen. Es wird ausdrücklich angestrebt, Quantentechnologie, Biomanufaktur, Wasserstoffenergie, Kernfusion, Brain-Computer-Schnittstellen, verkörperte Intelligenz (Embodied AI) und 6G zu neuen Wirtschaftswachstumspunkten zu machen. Gleichzeitig wird die Clusterbildung strategisch wichtiger neuer Industrien wie neue Energien, neue Materialien, Luft- und Raumfahrt sowie Low-Altitude Economy (Niedrigflugwirtschaft) beschleunigt, um das Ziel zu erreichen, dass der Mehrwert des Kerngeschäfts der digitalen Wirtschaft 12,5% des BIP ausmacht.

Im Bereich der verkörperten Intelligenz hatten chinesische Hersteller im Jahr 2025 einen absolut dominierenden Anteil an den weltweiten Auslieferungen von humanoiden Robotern, zusammen mehr als 70%. Bei seinem Besuch in China besichtigte Bundeskanzler Friedrich Merz auch das Unternehmen Unitree in Hangzhou, sah sich eine Vorführung von Kampfkünsten durch humanoide Roboter an und lobte aufrichtig Chinas Technologie. Im „Global Lighthouse Network“-Weißbuch des Weltwirtschaftsforums (WEF) sind 101 chinesische Fabriken aufgeführt, was fast die Hälfte aller Standorte ausmacht.

III. Innovation treibt die Zukunft an – das wirtschaftliche Potenzial ist größer

Innovation ist der erste Motor der Entwicklung. Im Jahr 2025 überstiegen Chinas gesamte F&E-Ausgaben 3,9 Billionen Yuan, was 2,8% des BIP entspricht. Damit liegt China weltweit an zweiter Stelle, und die F&E-Intensität überstieg erstmals den Durchschnitt der OECD-Länder. Im Bereich des geistigen Eigentums ist China das erste Land der Welt, das über mehr als 5 Millionen inländische effektive Erfindungspatente verfügt. Die Zahl der PCT-Internationalen Patentanmeldungen ist seit sechs Jahren in Folge die höchste der Welt. Laut dem „Global Innovation Index 2025“ der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) belegt China erstmals den zehnten Platz weltweit und ist das einzige Land mit mittlerem Einkommen unter den Top Ten. Es belegt den ersten Platz unter den 36 Volkswirtschaften mit mittlerem bis hohem Einkommen. Darüber hinaus verfügt China über 24 der weltweit 100 besten Innovationscluster, was die Anzahl drei Jahre in Folge zur weltweit größten macht. Der Cluster „Shenzhen-Hongkong-Guangzhou“ hat sich weltweit an die Spitze gesetzt.

Von „Künstlicher Intelligenz +“ bis hin zu intelligenter Fertigung schafft China starke Impulse für das Wachstum im nächsten Jahrzehnt. In China werden disruptive Technologien beschleunigt vom „technischen Konzept“ zur „industriellen Realität“ und werden zu einem entscheidenden Faktor für die Verbesserung von Qualität und Effizienz der Industrie. Nehmen wir das Beispiel des Token-Exports, des „neuen Öls“ der KI-Ära: Bis März 2026 hatte das tägliche Token-Aufkommen in China 140 Billionen überschritten. Chinesische große Sprachmodelle bieten Inferenzdienste in die ganze Welt an. Bei den produktionsbezogenen Token-Abrufen hat China die USA überholt und ist zu einem wichtigen Glied in der globalen KI-Wertschöpfungskette geworden. Chinesische Infrastruktur wird erneut das globale Wirtschaftswachstum antreiben – nur dass diesmal die Antriebseinheit nicht mehr Beton und Stahl ist, sondern Tokens.

IV. Die Tür öffnet sich immer weiter – die wirtschaftliche Öffnung ist umfassender

Chinas Öffnung ist kein taktisches Manöver, sondern eine institutionelle Öffnung, die in der Verfassung und im „Gesetz über ausländische Investitionen“ verankert ist. Im Jahr 2025 erreichte der gesamte Warenhandel Chinas (Import und Export) einen Wert von 41,21 Billionen Yuan, ein Wachstum von 3,8% im Vergleich zum Vorjahr. Die jährliche Wachstumsrate der Importe und Exporte verzeichnete von Februar an zehn Monate in Folge ein positives Wachstum. China bleibt die größte Handelsnation der Welt. Die Negativliste für den Marktzugang ausländischer Investitionen wurde von ursprünglich 190 Positionen auf 29 stark reduziert. Die Beschränkungen für ausländische Investitionen im verarbeitenden Gewerbe wurden vollständig aufgehoben. Während des 15. Fünfjahresplans wird China den Dienstleistungssektor als strategischen Schwerpunkt nutzen, um den Marktzugang zu erweitern und die geordnete Öffnung von Bereichen wie Telekommunikation, Internet, Bildung und Gesundheitswesen voranzutreiben.

Gleichzeitig gewährt China 45 Ländern, darunter Deutschland, eine einseitige Visumbefreiung. Inhaber normaler Pässe können für Geschäfte, Tourismus, Besuche oder Austausch für einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen visumfrei einreisen. Diese Regelung wurde bis Ende 2026 verlängert. Die Wirkung der Visumbefreiung war sofort spürbar: Im Jahr 2025 kamen über 150 Millionen ausländische Touristen nach China, und die Buchungen von Flügen aus Deutschland nach China stiegen erheblich. Unzählige ausländische Blogger veröffentlichen „China Travel“-Reiseführer. Die „alten drei Klassiker“ in ihren Koffern – Seide, Tee und Porzellan – wurden durch „angesagte nationale Produkte“ wie Smartphones, Drohnen und VR-Brillen ersetzt. Der Trend „Becoming Chinese“ ist weltweit beliebt. Ich bin überzeugt, dass viele von Ihnen, insbesondere die langjährig in China engagierten deutschen Unternehmen und Freunde, die Vorteile einer verstärkten Öffnung bereits konkret spüren.

II. Der 15. Fünfjahresplan weist ein neues Kapitel der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit

Das Jahr 2026 ist das Startjahr des 15. Fünfjahresplans Chinas. Der auf den diesjährigen „Zwei Tagungen“verabschiedete 15. Fünfjahresplan ist ein hochwertiger „Bauplan“ und gleichzeitig eine „Chancenliste“ für die ganze Welt. Er wird neue Rahmenbedingungen für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit schaffen, neue Impulse geben und neue Gelegenheiten bieten:

1. Die Dividende des Weltmarktes

China möchte nicht nur die „Werkbank der Welt“ sein, sondern auch der „Markt der Welt“. Der 15. Fünfjahresplan stellt klar die „Stärkung der großen inländischen Zirkulation“ heraus, um das Potenzial des riesigen Binnenmarktes voll auszuschöpfen. Im Jahr 2025 überstieg der gesamte Einzelhandelsumsatz sozialer Konsumgüter in China 50 Billionen Yuan, und der Endverbrauch trug 52% zum Wirtschaftswachstum bei. China ist gleichzeitig der zweitgrößte Importmarkt der Welt, mit einem Gesamtimportvolumen von 18,48 Billionen Yuan im Jahr 2025. Gestützt wird dieser Markt durch über 1,4 Milliarden Menschen, mehr als 400 Millionen Menschen mit mittlerem Einkommen und das kontinuierlich steigende verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung.

Vor dem Hintergrund schrumpfender chinesisch-amerikanischer Handelsbeziehungen aufgrund von Zollkonflikten wächst der deutsch-chinesische Handel entgegen dem Trend. Nach deutschen Statistiken betrug das Handelsvolumen Deutschlands mit China im Jahr 2025 251,8 Milliarden Euro, ein Anstieg von 2,1% gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde China erneut Deutschlands größter Handelspartner. Nordrhein-Westfalen (NRW) als wirtschaftliches Schwergewicht Deutschlands trug einen Kernanteil dazu bei. Die im 15. Fünfjahresplan vorgesehene Entwicklung neuer Produktivkräfte eröffnet den vielen Hidden Champions in NRW breite Möglichkeiten für Investitionen und Geschäfte in China. In den nächsten fünf Jahren wird China den Aufbau eines einheitlichen nationalen Großmarktes weiter vorantreiben und lokale Protektionismen sowie Marktfragmentierung beseitigen. Dies bedeutet, dass die Transaktionskosten für deutsche Unternehmen beim Markteintritt in China weiter sinken werden.

2. Grüne Transformation und industrieller Aufstieg

Grün ist das prägende Merkmal des 15. Fünfjahresplans. Auf den diesjährigen „Zwei Tagungen“ wurde erstmals ein „Nationaler Fonds für kohlenstoffarme Transformation“ eingerichtet. Es wird klar festgelegt, dass die Kontrolle des Energieverbrauchs vollständig auf eine Kontrolle der Kohlenstoffemissionen umgestellt wird, und es wird eine Maßnahme zur Verzehnfachung der nicht-fossilen Energien innerhalb eines Jahrzehnts umgesetzt. Bis Ende 2025 machten die installierten Kapazitäten erneuerbarer Energien bereits 60% der gesamten installierten Stromkapazität Chinas aus. In den nächsten fünf Jahren wird die installierte Speicherkapazität voraussichtlich um mehr als das Doppelte wachsen. Diese institutionellen Neuerungen und Marktveränderungen eröffnen neue Räume für die deutsch-chinesische grüne Zusammenarbeit.

Deutschland verfügt über tiefgreifende Erfahrungen in den Bereichen kohlenstoffarme Technologien, Energiemanagement, Kreislaufwirtschaft und Kohlenstoffbilanzierung, während China über das weltweit größte System erneuerbarer Energien und die dynamischsten grünen Anwendungsszenarien verfügt. Die beiden Länder haben bereits einen institutionalisierten Kooperationsrahmen in Bereichen wie der Entwicklung von CO2-neutralen Industriegebieten, der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette und der Verknüpfung von Kohlenstoffmärkten etabliert. Die Kombination deutscher grüner Lösungen mit dem chinesischen Markt wird zu einem weltweit replizierbaren und skalierbaren Gewinner-Gewinner-Modell für die grüne Transformation.

3. Sicherheit und Stabilität der Produktions- und Lieferketten

Der 15. Fünfjahresplan stellt die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit und Sicherheit der Produktions- und Lieferketten in den Mittelpunkt. Durch Maßnahmen wie die Umsetzung von Qualitätsentwicklungsaktionen entlang der Wertschöpfungsketten und die Steuerung einer angemessenen grenzüberschreitenden Verteilung wird die reibungslose Zirkulation der Industrieketten durch institutionelle Regelungen gewährleistet. China ist das einzige Land der Welt, das über alle Industriekategorien der UN-Klassifikation verfügt. Von 504 wichtigen Industrierzeugnissen weltweit wird die überwältigende Mehrheit in China hergestellt, wobei die Produktion in den meisten Kategorien weltweit führend ist. China ist seit vielen Jahren der größte Exporteur von Vorleistungsgütern der Welt, wichtigster Handelspartner für mehr als 150 Länder und Regionen und damit der größte „Stabilisator“ der globalen Produktions- und Lieferketten.

Für deutsche Unternehmen besteht der Wert der chinesischen Lieferkette nicht nur in „niedrigen Kosten“, sondern in „hoher Effizienz, vollständiger Komplementarität und schneller Reaktionsfähigkeit“. Die tiefe Integration der deutsch-chinesischen Produktions- und Lieferketten ist eine gegenseitige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Der chinesische Markt ist auch das beste „Fitnessstudio“ für globale multinationale Unternehmen. NRW beherbergt fast 400 „Hidden Champions“-Unternehmen. Ihre technologische Expertise in Nischenbereichen kombiniert mit der Markterschließungsfähigkeit und den Vorteilen der Massenproduktion chinesischer Unternehmen schafft eine Win-Win-Situation, in der 1+1>2 ist. Die Fähigkeit Chinas, vollständige Industrieketten bereitzustellen, senkt die Kosten für Innovation und Versuch und Irrtum für deutsche KMU, während deutsche Hochwertanlagen und Präzisionskomponenten technologische Synergien für Chinas industriellen Aufstieg bieten. Die Produktions- und Lieferketten beider Länder in den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Chemie und grüne Energie sind tief miteinander verwoben und bilden eine Situation des gegenseitigen Nutzens.

III. Klarstellung von drei irreführenden Ansichten

1. Die „De-Risking“-These

Erstens: „De-Risking“ selbst ist das größte Risiko. Leider wird „De-Risking“ in der EU oft mit „Decoupling from China“ gleichgesetzt. Seit diesem Jahr hat die EU eine Reihe exklusiver Politiken auf den Weg gebracht. Im Januar veröffentlichte die EU einen überarbeiteten Entwurf des „Cybersecurity Act“. Zum ersten Mal in Form eines „harten Gesetzes“ wird verlangt, dass die Mitgliedstaaten innerhalb von 36 Monaten „Hochrisikoanbieter“ aus ihren 5G-Kernnetzen entfernen. Dies betrifft 18 kritische Bereiche, darunter Telekommunikation, Solarenergie und Sicherheitsscanner. Obwohl der Vorschlag keine Unternehmen namentlich nennt, wird allgemein angenommen, dass er sich hauptsächlich gegen chinesische Technologieunternehmen wie Huawei und ZTE richtet. Im März veröffentlichte die EU den „Industrial Accelerator Act“. Dieser enthält verbindliche Bestimmungen für vier Branchen – Batterien, Elektrofahrzeuge, Photovoltaik und kritische Rohstoffe – darunter obligatorischer Technologietransfer, Beschränkungen der ausländischen Beteiligung und lokale Inhaltsanforderungen. Im Bereich der öffentlichen Aufträge wird explizit die Bevorzugung von „EU-Produktion“ gefordert. Der dem Gesetzentwurf beigefügte Folgenabschätzungsbericht erwähnt China mehr als 200 Mal.

Zweitens: „De-Risking“ schadet der Wettbewerbsfähigkeit der EU selbst. Im Bereich der digitalen Wirtschaft leidet die EU unter Marktfragmentierung, veralteter Infrastruktur und anderen Problemen. Am Beispiel Deutschlands: Nahezu 60% der Telekommunikationsausrüstung in Deutschland stammt aus China. Die Vorteile von Huawei-Geräten in Bezug auf Energieeffizienz und Preis-Leistungs-Verhältnis sind für lokale Betreiber von zentraler Bedeutung, um Baukosten zu kontrollieren und die Netzeffizienz zu steigern. Das gewaltsame Ersetzen ausgereifter und stabiler Geräte würde nicht nur den digitalen Infrastrukturausbau Europas verzögern, sondern die Betreiber auch in ein Dilemma aus „steigenden Kosten und sinkender Servicequalität“ stürzen. Der Bewertungsbericht des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) aus dem Jahr 2024 hat klar bestätigt, dass Huawei-Geräte keine Hintertüren oder manipulierbaren Schwachstellen enthalten. Das deutsche „WirtschaftsWoche“ kritisierte Ende letzten Jahres die niederländische Regierung unverblümt für ihren „schachmatten Zug“ gegen das Unternehmen Nexperia (Tochter von chinesischem Unternehmen Wingtech) und warnte vor schwerwiegenden Folgen, wenn bestehende Lieferkettenstrukturen zerstört würden.

Drittens: Unternehmen stimmen „mit den Füßen ab“ und setzen auf den chinesischen Markt. Laut dem „Business Confidence Survey 2025/2026“ der Deutschen Handelskammer in China (AHK China) planen 93% der in China tätigen deutschen Unternehmen, weiterhin im chinesischen Markt zu bleiben. Mehr als die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen wird ihre Investitionen in China erhöhen. 65% der Unternehmen sind zuversichtlich, dass sich die chinesische Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren gut entwickeln wird. Volkswagen investiert zweistellige Milliardenbeträge in China, um seine Produktionskapazitäten zu erweitern und neue Technologien zu entwickeln. BASF investiert 8,7 Milliarden Euro in einen integrierten Verbundstandort in Zhanjiang – dies ist die größte Einzelinvestition des Unternehmens in seiner Geschichte. Wenn der chinesische Markt wirklich voller Risiken wäre, warum würden Unternehmen als „rationale Akteure“ dann nicht nur nicht abziehen, sondern sogar noch mehr investieren? Die Antwort liegt auf der Hand.

2. Die These vom EU-China-Handelsungleichgewicht

Erstens: Das EU-China-Handelsdefizit ist das Ergebnis der globalen Arbeitsteilung. Die internationale Handelsstruktur passt sich dynamisch an die sich ändernden Wettbewerbsvorteile und komparativen Vorteile der Länder an und ist nicht statisch. Von 1976 bis 1996 hatte die EU aufgrund ihrer absoluten Vorteile bei High-End-Industrieausrüstungen, Automobilen, Präzisionsinstrumenten und chemischen Materialien einen Handelsüberschuss gegenüber China. Die chinesische Seite betrachtet dies als Ergebnis der Arbeitsteilung, als gegenseitige Bedarfsdeckung. Heute hat sich die Situation umgekehrt, und die Gründe sind nicht kompliziert. Einerseits steht Europa intern vor strukturellen Beschränkungen der industriellen Entwicklung. Andererseits hat China sich kontinuierlich in Richtung der mittleren und oberen Enden der Wertschöpfungskette bewegt und neue Wettbewerbsvorteile in Bereichen wie Anlagenbau und grünen Industrien entwickelt. Dieses gegenseitige Wettrennen im Zuge des industriellen Aufstiegs ist ein positiver Kreislauf gegenseitigen Nutzens im Kontext der Globalisierung.

Zweitens: Ein Defizit ist nicht gleichbedeutend mit Verlust, und das Warenhandelsdefizit gibt nicht das Gesamtbild der EU-China-Wirtschaftsbeziehungen wieder. Erstens auf der Ebene der industriellen Zusammenarbeit: Viele europäische Unternehmen betreiben lokale Produktion in China. Fast 40% ihrer Produkte werden nach Europa zurückexportiert. Dies führt zu einem Muster, bei dem der Handelsüberschuss bei China liegt, der Gewinn jedoch in Europa anfällt. Gleichzeitig hilft dies europäischen Unternehmen, ihre Produktionskosten effektiv zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Endprodukte zu verbessern. Es wäre weder umfassend noch objektiv, die Vor- und Nachteile der EU-China-Wirtschaftsbeziehungen allein anhand des Warenhandelsüberschusses zu messen. Zweitens der Dienstleistungshandel: Im Jahr 2024 erzielte die EU einen Dienstleistungshandelsüberschuss von über 50 Milliarden Dollar mit China. Allein die Einnahmen aus Lizenzgebühren für geistiges Eigentum aus China belaufen sich jährlich auf zweistellige Milliardenbeträge. Darüber hinaus betrug der Überschuss Chinas gegenüber der Eurozone im Jahr 2025 nur 32 Milliarden Dollar, kein signifikanter Anstieg. Gegenüber ASEAN betrug er 94 Milliarden Dollar, gegenüber Indien 46 Milliarden Dollar und gegenüber Afrika 40 Milliarden Dollar. Laut Weltbank-Daten machen Chinas Exporte nur 19% seines BIP aus, während es in Deutschland 43% und in der EU 25% sind.

Drittens: Der richtige Weg zur Lösung von Handelsungleichgewichten ist nicht Protektionismus, sondern der Ausbau der gegenseitigen, vorteilhaften Zusammenarbeit. China strebt nie bewusst einen Handelsüberschuss an, sondern hat im Gegenteil stets aktiv seine Importe ausgeweitet. Im ersten Quartal dieses Jahres lag die Wachstumsrate der chinesischen Importe um 7,7% höher als die der Exporte, und das Importvolumen erreichte ein Rekordhoch. Im Jahr 2025 war China bereits das 17. Jahr in Folge der zweitgrößte Importmarkt der Welt und hielt einen globalen Importanteil von etwa 10%. China ist zudem das einzige große Land der Welt, das eine nationale Importmesse ausrichtet. Europa tut das Gegenteil: Die EU verhängt zunehmend Beschränkungen für ihre eigenen Produkte mit Wettbewerbsvorteilen und ergreift Kontrollmaßnahmen bei Hightech-Exporten, was das Exportpotenzial nach China erheblich einschränkt. Man muss leider sagen: Oft wollen wir kaufen, aber Sie wollen nicht verkaufen!

3. Die These: „Instabilität in der Taiwanstraße beeinträchtigt Investitionen in China“

Zunächst muss geklärt werden, worin die eigentliche Ursache für die Spannungen in der Taiwanstraße liegt. Taiwan ist seit jeher ein untrennbarer Teil Chinas. Die Taiwan-Frage ist der Kern der Kerninteressen Chinas. Das Ein-China-Prinzip ist die politische Grundlage für die Aufnahme und Pflege diplomatischer Beziehungen Chinas zu allen Ländern der Welt, einschließlich Deutschlands, und eine anerkannte Norm der internationalen Beziehungen sowie ein allgemeiner Konsens der internationalen Gemeinschaft. Seit langem halten die Behörden der Demokratischen Fortschrittspartei (DFP) stur an ihrer separatistischen „Taiwan-Unabhängigkeits“-Position fest, suchen kontinuierlich die Zusammenarbeit mit externen Kräften für ihre separatistischen Provokationen und schüren die Spannungen in der Taiwanstraße. Sie sind es, die den Status quo in der Taiwanstraße untergraben und die größte Quelle der Instabilität für Frieden und Stabilität in der Taiwanstraße darstellen. Bestimmte Kreise in den USA befeuern einerseits ständig die Behauptung einer sogenannten „Bedrohung durch das Festland oder militärischen Drucks“, kündigen andererseits aber den Verkauf von fortschrittlichen Waffen im Wert von etwa 11 Milliarden US-Dollar an Taiwan an und treiben das größte Waffenpaket in der Geschichte an Taiwan voran, darunter fortschrittliche Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme und Radarsysteme. Die Tatsachen sind völlig klar: Die Ursache für die Spannungen in der Taiwanstraße liegt nicht beim Festland, sondern bei den separatistischen Kräfte der „Taiwan-Unabhängigkeit“ und der Einmischung und Destabilisierung durch externe Kräfte.

Das chinesische Festland setzt sich stets mit größter Aufrichtigkeit, Wohlwollen, Entschlossenheit und Geduld für eine friedliche Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße ein. Seit langem hat das Festland eine Reihe von Maßnahmen zur Förderung Taiwans erlassen, darunter die „31 Maßnahmen“ und die „26 Maßnahmen“ zur Vertiefung des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs sowie der Zusammenarbeit. Schrittweise werden den taiwanesischen Landsleuten gleiche Behandlung beim Lernen, bei Unternehmensgründungen, bei der Arbeitssuche und im Alltag auf dem Festland gewährt, und sie werden kontinuierlich an den Entwicklungsmöglichkeiten des Festlandes teilhaben lassen. Erst vor zwei Wochen empfing Staatspräsident Xi Jinping in Peking eine Delegation unter der Leitung der Vorsitzenden der Kuomintang, Zheng Liwen. Dabei legte er vier Standpunkte zur Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwan-Straße dar: Beharren auf der richtigen Identität zur Förderung der Seelenverwandtschaft; Beharren auf friedlicher Entwicklung zum Schutz der gemeinsamen Heimat; Beharren auf Austausch und Integration zur Steigerung des Wohlergehens der Landsleute; Beharren auf geeintem Streben zur Verwirklichung der großen Erneuerung der chinesischen Nation. Dies verkörpert das Verantwortungsbewusstsein und die Mission, den Frieden für beide Seiten zu sichern, das Wohl der Landsleute zu mehren und das Wiederaufleben der Nation anzustreben. In diesem Rahmen hat das Büro für Taiwan-Angelegenheiten zehn politische Maßnahmen zur Förderung des Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten veröffentlicht, die Bereiche wie Wirtschaft, soziale Sicherung, Kultur und Tourismus abdecken und genau auf die tatsächlichen Bedürfnisse der taiwanesischen Landsleute eingehen. Verschiedene Kreise auf der Insel haben diese Maßnahmen positiv bewertet; über 60% der Bevölkerung stimmen zu, dass „beide Seiten den Kontakt und Austausch verstärken sollten, um Frieden und Stabilität zu erhalten“. Diese Maßnahmen sind konkret, voller Wohlwollen und werden neue Impulse für die Vertiefung des Austauschs und der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen sowie für die Förderung einer friedlichen Entwicklung der Beziehungen zwischen beiden Seiten der Taiwanstraße liefern.

IV. Der China-Besuch von Bundeskanzler Merz hebt die deutsch-chinesische Zusammenarbeit auf eine neue Ebene.

Der Besuch von Bundeskanzler Merz im Februar dieses Jahres war ein voller Erfolg. In seinem Gespräch mit Bundeskanzler Merz definierte Staatspräsident Xi Jinping die deutsch-chinesischen Beziehungen als „drei Partnerschaften“. Dies bietet eine klare politische Orientierung für unsere bilateralen Beziehungen und eröffnet neue Wachstumsspielräume für unsere Wirtschafts- und Handelskooperation. Beide Seiten erzielten eine Reihe wichtiger Konsense und unterzeichneten Kooperationsdokumente in den Bereichen grüne Transformation, Zollwesen, Sport und Medien. In einer gemeinsamen Presseerklärung bekräftigten beide Seiten zudem das Vorhaben, den 15. chinesischen Fünfjahresplan enger mit deutschen Entwicklungsstrategien zu verzahnen, um eine höhere Ebene des gegenseitigen Nutzens zu erreichen. Bereits vor seinem Besuch hatte Bundeskanzler Merz gegenüber den Medien betont, dass ein „Decoupling“ von China ein Fehler wäre und nur den eigenen Interessen schaden würde. Damit sandte er ein klares Signal aus, dass Deutschland seine Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu China nicht aufgrund geopolitischen Störlärms kappen wird. Dies verleiht allen gesellschaftlichen Kreisen in Deutschland Vertrauen und Sicherheit für die Zusammenarbeit mit China.

Verehrte Freunde aus der Wirtschaft, Sie sind das Rückgrat der praktischen Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern. Ich hoffe, dass Sie den Rückenwind des Kanzlerbesuchs nutzen und Ihre Stärken weiterhin gezielt einsetzen: Werden Sie zu „Brückenbauern“ in der Bildungszusammenarbeit, zu „Stabilisatoren“ der deutsch-chinesischen Lieferketten und zu „zivilgesellschaftlichen Botschaftern“ für den kulturellen Austausch. Ich lade Sie zudem ein, Ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen aus Yiwu und ganz China hier in Deutschland aktiv zu teilen. Was Sie von Ihren Reisen mitbringen, sind nicht nur Aufträge und Geschäftsmöglichkeiten, sondern das Bild eines authentischen, vielschichtigen und dynamischen Chinas. Das Generalkonsulat ist bereit, gemeinsam mit Ihnen ein neues Kapitel der deutsch-chinesischen Beziehungen aufzuschlagen – geprägt von gegenseitigem Respekt, dem Mut zum Dialog trotz Differenzen sowie offener und gewinnbringender Zusammenarbeit.

Vielen Dank!


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