Kürzlich gab Generalkonsul Yu Yong dem „Düsseldorfer Anzeiger“ ein exklusives Interview. Die Übersetzung des Berichts lautet wie folgt:

Herr Generalkonsul, Sie sind seit Sommer 2025 im Amt. Was gehört allgemein zu den wichtigsten Aufgaben eines Generalkonsuls?
Die sind umfassend und vielgestaltig. Ich bin zunächst ein Botschafter der Freundschaft zwischen China und Nordrhein-Westfalen, fördere dabei unsere Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Handel, Kultur und Bildung. Dabei gilt es in erster Linie, die legitimen und berechtigten Interessen Chinas zu vertreten, aber auch Augen und Ohren für Ideen und Anregungen aus NRW und seinen Kommunen offen zu halten. Zudem hat Nordrhein-Westfalen eine große China-Community, Studierende aus meiner Heimat, Mitarbeitende chinesischer Unternehmen. Ich vertrete ihre Interessen, bin zuverlässiger Ansprechpartner für ihre Anliegen und Belange. Und schließlich sehe ich mich für die deutsche Öffentlichkeit wie ein „offenes Fenster“ zu China, möchte ein authentisches Bild meines Landes, seiner gastfreundlichen Menschen und seine vielfältige Kultur und langen Traditionen vermitteln. Die gegenseitige Verständigung ist ein wesentlicher und – ja - entscheidender Erfolgsfaktor für gute Beziehungen.
Wie haben Sie Ihr erstes knappes Jahr in Düsseldorf erlebt?
Ich konnte viele neue Eindrücke sammeln und bin stets neugierig. Dies ist mein erstes Jahr in Europa überhaupt. Ich habe viele schöne Städte besucht, viel über ihre Entwicklung gelernt und viele herzliche Menschen kennenlernen dürfen. Sie haben mir über ihre Kultur, ihre Sitten und ihr Brauchtum erzählt. Das hat meinen Horizont erweitert. Es war auch ein sehr intensives Jahr. Ich bin sehr froh, dass das Generalkonsulat unter meiner Leitung bereits viele konkrete Projekte und Aufgaben abschließen konnte.
Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihrem Einsatz für die deutsch-chinesischen Beziehungen in Nordrhein-Westfalen?
Erstens: Wirtschaft und Handel. Nordrhein-Westfalen verfügt über eine starke Industrie mit beeindruckenden Leistungen. Unsere Unternehmen spielen aus, was sie an Stärken und Expertisen besitzen, wir realisieren gemeinsames Wachstum durch eine enge Verzahnung, insbesondere in den Bereichen des High-End-Maschinenbaus und der erneuerbaren Energien.
Zweitens: Forschung und Bildung. NRW beheimatet zahlreiche Eliteuniversitäten. Auch die duale Ausbildung ist weltweit das Aushängeschild Deutschlands. Durch unsere Vermittlung und Förderung haben viele Hochschulen und Berufsschulen in China und Deutschland Partnerschaft geschlossen. Studierende und Forschende besuchen sich gegenseitig, tauschen sich über gemeinsame Zukunftsthemen aus und vertiefen die Freundschaft zwischen unseren Ländern.
Drittens: Jugend. Wir haben viele Programme für den zivilgesellschaftlichen Austausch gebaut: Studienreisen zum Erwerb der Sprachkenntnisse oder von interkulturellen Kompetenzen. Ich möchte das gegenseitige Verstehen unter den jungen Menschen fördern und neue Player für die nachhaltige Pflege der Freundschaft rekrutieren. Das ist eine Investition in die Zukunft.
Viertens: Kultur. Wir veranstalten in meinem Konsular-Bezirk regelmäßig China-Feste eine China-Woche sowie verschiedene Ausstellungen über Kunst und Traditionen meines Landes.
Der traditionsreiche Neujahrsempfang in Düsseldorf, das anstehende Chinafest in Duisburg im Herbst - welche Bedeutung haben solche Veranstaltungen?
Der Neujahrsempfang in Düsseldorf ist inzwischen eine Tradition geworden. Er verdeutlicht eindrucksvoll, dass die chinesische Community und die Firmen aus China in NRW willkommen sind. Sie werden hier herzlich aufgenommen und erfahren große Unterstützung, Zuwendung, aber auch Toleranz. Die reichhaltigen und vielfältigen Programme des Chinafestes in Duisburg präsentieren gebündelt herausragende Traditionen, immaterielles Kulturerbe, kulinarische Spezialitäten aber auch moderne Technologien „designed in China". Das Fest zeigt auch Zusammenhalt und Engagement der China-Community in NRW. Da wird mit viel Herzblut organisiert, um der deutschen Öffentlichkeit ein kompaktes, lebendiges und facettenreiches Bild des modernen Chinas zu präsentieren. Unsere Welt heute ist leider voll von Umbrüchen und Konflikten. Die Gräben werden tiefer. Vor diesem Hintergrund ermöglichen solch zivilgesellschaftliche Austausche das Kennen- und das Schätzenlernen, bauen Vorurteile und Stereotype ab.
Wie sehen Sie Düsseldorf persönlich als Landeshauptstadt in NRW?
Eine zauberhafte (Kultur-)Stadt mit viel Poesie, ein wirtschaftsstarker Standort, bekannte europäische Messestadt mit hoher Lebensqualität und weltoffenen Menschen. Der Rhein verleiht ihr das mondäne Flair. Die Altstadt versprüht immer noch die Ausstrahlung ihres historischen Glanzes. Das gesamte Stadtbild ist gepflegt, eingebettet in viel Grün. Hier lässt es sich angenehm leben und arbeiten. Unternehmen aus aller Welt haben sich für einen Standort hier entschieden, darunter circa 600 Unternehmen aus China. Düsseldorf verzeichnet die höchste Konzentration chinesischer Firmen in Deutschland.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Beziehungen zwischen China Nordrhein-Westfalen und speziell Düsseldorf?
Aufgrund der hervorragenden Ausgangssituation setze ich große Hoffnungen in die künftigen Beziehungen zwischen China, NRW und Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste Bundesland Deutschlands, verfügt über eine solide industrielle Basis sowie herausragende Standortvorteile. Düsseldorf zeichnet sich durch Weltoffenheit und Toleranz aus. Die bestehende Kooperation auf kommunaler Ebene ist in allen Bereichen sehr erfolgreich. Es müssten noch weiteres Potenzial ausgeschöpft und neue Teilbereiche in Wirtschaft und Handel, in Bildung und Wissenschaft sowie Kultur und Gesellschaft entdeckt werden. Synergie könnte dadurch entstehen, wenn sich andere Kommunen in NRW wie Düsseldorf engagieren und ihre Beziehungen zu China vertiefen. Diese Verbundenheit trägt maßgeblich die chinesisch-deutsche Freundschaft des neuen Zeitalters.
